Radiusköpfchen Fraktur – Ellbogen Genesung und Beweglichkeit

Achtung: Suchen sie bei einer Fraktur, oder auch nur einem Verdacht einer solchen, in jedem Fall einen Arzt auf. Diese Informationen hier sind keine medizinisch zwingend gültigen Inhalte, ich bin KEIN Arzt. Ich gebe sie hier wider, weil ich selber danach gesucht habe. Es besteht keine Garantie für Richtigkeit und während das Internet viel her gibt, ist es auch gefährlich gesundheitsrelevante Entscheide auf Informationen und Halbwahrheiten aus dem Netz basierend zu treffen.

Mein Radiusköpfchen-Bruch

Ich erlitt im Sommer 2013 eine Radiusköpfchen Impressionsfraktur. Das Radiusköpfchen ist der hinterste Gelenkteil der Speiche im Unterarm (Wikipedia). Stürzt man rückwärts und will man dabei den Sturz nach hinten mit einem gestreckten Arm abfangen, so ist die Gefahr gross, dass genau dieses Radiusköpfchen bricht.

So eine Radiusköpfchenfraktur kann eine üble Sache sein, vor allem, wenn es zu mehreren kleinen Brüchen oder gar zu einer Zersplitterung kommt. Ich hatte Glück, es war ein einfacher Bruch und nur ein Knochenfragment war abgebrochen und eingedrückt (Impressionsfraktur). Das Knochenfragment war etwas mehr als 3mm eingedrückt, was bei der Klassifizierung eine Rolle spielt und wodurch eine Operation empfohlen wurde.

Diagnose und mögliche Massnahmen

Bei der Diagnose in der Notfallaufnahme im Waidspital in Zürich wurde mir klar zu einer Operation geraten und man wollte mich gleich aufbieten. Das blockte ich erst einmal ab, denn einerseits wollte ich mich erst selber schlau machen – als Naturwissenschaftler habe ich nun hald eine Tendenz dazu – und andererseits war mir auch die Meinung meines Hausarztes wichtig.

Mein Hausarzt zog in Betracht den Arm zu stabilisieren und von einer OP abzusehen. Man muss ja nicht alles operieren und vermutlich wäre dies durchaus eine Alternative gewesen. Nach einigem Abwägen holte ich mir dann aber doch noch die Meinung eines Spezialisten. Dieser rat mir zu operieren und meinte, eine nicht-OP führt einem hohen Arthrose-Risiko. Zudem führe eine längere Immobilisierung (4-10 Wochen werden oft als Grössenordnung umhergereicht) zu einer starken, womöglich bleibenden Einschränkung der Beweglichkeit. Als Fotograf war diese Perspektive für mich keine Option, die Entscheidung für eine Operation war gefallen.

Bewegung ist wichtig

Neben diesen Ratschlägen machte ich mich auch im Internet auf die Suche nach Tipps und Hinweisen. Via Google fand ich unzählige Foren, Beiträge und Ratgeber zu meiner Verletzung. Vielerorts wird berichtet, dass die Option nicht zu operieren besteht. In solchen Fällen wird der Arm meist über eine längere Zeitdauer fixiert. Weiter findet man im Internet aber auch zahlreiche Berichte von Patienten, die äusserst lange Therapien benötigen, um wieder eine befriedigende Beweglichkeit zu erlangen.

Im Nachhinein bin ich äusserst froh, dass ich auf den Spezialisten gehört habe. Laut ihm ist eine lange Fixierung des Arms zu vermeiden und zudem eine veraltete Praxis. In meinem Fall wurde die Fixierung bereits ca. 3 Tage nach der Operation wieder entfernt. Ohne Operation mit stabilisierenden Schrauben wäre vermutlich eine längere Fixierung  notwendig gewesen. Meinen Arm durfte ich natürlich während längerer Zeit (4-6 Wochen) nicht und danach nur vorsichtig belasten. Aber ich wurde angewiesen schon früh tägliche Bewegungsübungen zu machen. Voll belasten, inklusive Sportarten, bei denen der Druck auf den Ellbogen kurzzeitig hoch werden kann, durfte ich den Ellbogen nach einem halben Jahr wieder.

Bei der ärztlichen Nachkontrolle nach zirka 6 Wochen konnte ich meinen Arm bereits wieder beinahe ganz strecken. Es fehlten mir noch ca. 10 Winkelgrade. Nach einem halben Jahr waren es noch knapp 5 Grad, die ich nicht als störend empfand.

Wenn ich meinen Fall mit den vielen Schilderungen in Internetforen vergleiche, bin ich überzeugt, dass ein möglichst frühzeitiges, freies Bewegen des Ellbogens sehr förderlich für die Genesung ist. Es gibt anscheinend viele Patienten, die keine normale Beweglichkeit mehr erreichen, nachdem der Ellbogen mehrere Wochen oder gar 2-3 Monate immobilisiert war.

Alte Methoden, neue Erkenntnisse und das Internet

Mein Radiusköpfchenbruch ist ein Beispiel von vielen und sicher nicht repräsentativ. Mir wurde dabei bewusst, dass alte Methoden stets in der medizinischen Praxis angewendet werden. Umso wichtiger ist eine erstklassige, fachärztliche Untersuchung. Ob ich ohne Operation zu einem guten Resultat gekommen wäre, kann und möchte ich nicht ausschliessen. Und genau so kann ich noch nicht beurteilen, wie der Langzeitverlauf sein wird. Klar ist aber, dass ich im Internet zwar viele Informationen fand, ich mir damit alleine aber keine solide Meinung und Entscheidungsgrundlage bilden konnte.

Eine frühe Bewegung, bereits wenige Tage nach der Operation, verhalfen mir zu einem Wiedererlangen einer nahezu vollständigen Beweglichkeit.

Ihre Erfahrungen, Fragen und Anregungen

Haben Sie selber einen Radiusköpfchenbruch erlitten oder jemand aus Ihrem Umfeld? Oder haben Sie weitere Anregungen und Erfahrungen? Ich würde mich über einen Kommentar unten freuen.

6 Comments

  1. Robby Robson

    Reply

    Hi,
    danke für deine Schilderung. Habe selbst eine solche Fraktur beim Fahrradsturz erlitten vor 8 Tagen. Leider ein Trümmerbruch, der nun mit Platte verschraubt wurde. Nach 4 Tagen stabilisierendem Halbgips erfolgte die OP. Erst war ich skeptisch. Meine erste OP und auf dem Röntgenbild sah es nach einfachen Bruch aus. Allerdings war die Abspaltung des Köpfchens bei 4mm, so dass der Chirurg mich mit der OP überzeugte. Bis 2mm und einfachem Bruch versucht man es wohl nur mit Gips ohne OP.
    Jetzt 6 Tage nach der OP fängt die Physio an. Mal sehen wie lange und was ich selbst machen kann.

    VG Rob

    • Reply

      Hi Rob!

      Danke für deinen Kommentar.

      Es ist auf jeden Fall richtig und gut möglichst früh mit bewegen anzufangen. Belasten natürlich noch nicht, aber Bewegung muss ins Gelenk rein, dass es nicht zu sehr versteift. Bei meinem Bruch vor knapp 5 Jahren gab es bei einigen Ärzten noch die Präferenz zu einer mehrwöchigen Gibs-Ruhe, was mein Spezialist als sehr schlecht bezeichnete. Ich fing schon 2-3 Tage nach der OP mit Bewegen an und kann den Arm (schon seit langem) wieder voll strecken.

      Keep going und Gute Besserung!
      Phil

  2. Crazy-to-Bike

    Reply

    Ich habe mir gestern auch eine Radiusköpfchen-Splitterfraktur mit starker Verschiebung bei einem MTB-Sturz zugezogen. Bisher war ich natürlich nur in der Notaufnahme im örtlichem Krankenhaus und suche jetzt nach einer spezialisierten Klinik zur Abklärung der Therapie, aber es wird wohl definitiv auf eine OP rauslaufen.
    Die Frage ist eher: Kann man noch was rettten oder müssen die Trümmer vollständig entfernt werden.
    Und im zweiten Fall Prothese einsetzen oder nicht, wobei nach allem was ich so gelesen habe das Gelenk ohne das Köpfchen instabil, die Beweglichkeit dauerhaft schmerzhaft und weiterer Verschleiß und Verschlechterung vorprogrammiert ist.
    Was mich schockiert ist, dass es bis zur Belastbarkeit 6 Monate gehen soll.

    • Reply

      Hallo Crazy-to-Bike, danke für deinen Kommentar!
      Ja, die 6 Monate hat man mir auch genannt. Vor allem bei Belastungen, die auch mal stärkere Stösse auslösen können. Als Beispiel wurden gerade das Radfahren und auch Stürze beim Skifahren genannt. Das ist lange, aber ich denke es ist wichtig und lohnenswert, dem Ellbogen die Ruhezeit zu geben.
      Bezüglich gutem Arzt: Rumfragen bringt einem oft zu besserem, also sich auf Titel und Auszeichungen zu verlassen.
      Ich wünsche dir eine ganz gute Besserung!

      • crazy-to-bike

        Reply

        Inzwischen bin ich operiert. Zur OP war ich in einer speziellen Gelenk-Klinik, ohne persönliche Empfehlung durch umhören, aber mit sehr gutem Bauchgefühl. Ohne je wissen zu können, ob es woanders noch besser gewesen wäre, bin ich bislang absolut zufrieden.
        Es wurde eine Wiederherstellung durch Repositionierung der Trümmerteile mittels Titanplatte und Schrauben gemacht. Zusätzlich wurde eine Schraube im Handgelenk gesetzt, da, wie sich bei der ausführlichen Voruntersuchung in der Klinik herausstellte, auch dort ein Bruch ist, dieser jedoch ganz glatt unf ohne Verschiebung.
        Ich trage nun für 6 Wochen eine Orthese, die mir die geführte und damit bänderschonende Ellenbogenbeugung- und streckung ermöglicht. Für die ersten 3 Wochen sind die letzten 10° in der Streckung limitiert. Aktuell, wenige Tage nach der OP, bin ich von solchen Bewegungsausmaßen aber auch so noch weit entfernt. Trotzdem ist die Prognose des Ellenbogenspezialisten, der mich betreut und operiert hat, 3 Monate.
        Ich hoffe nun, dass ich spätestens wenn im Frühjahr, also ca. März, die neue Bikesaison richtig losgeht, wieder schmerzfrei biken gehen kann.

        • Reply

          Ich drücke dir die Daumen!
          Ja, kurz nach der (deutlich einfacheren) OP konnte ich meinen Ellenbogen auch nur sehr wenig bewegen. Gegen 1-2 Monate ging’s dann deutlich aufwärts. Sehr sinnvoll scheint mir die Orthese, sodass der Ellenbogen wirklich von Anfang an bewegt werden kann.
          Dann auf die nächste Bike-Saison!

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