Wohnungsmarkt Zürich: Parkplatzsituation in Neu-Oerlikon & das Fahrtenmodell

Neu-Oerlikon ist ein aufstrebendes Quartier der Stadt Zürich. Unzählige neue Wohnsiedlungen wurden gebaut, die meist einen hohen Standard haben und parallel dazu siedeln sich viele Firmen neu hier an. Vom früheren eher zweifelhaften Ruf Nord-Oerlikons ist nicht mehr viel übrig und das ist ja auch ganz toll so. Oerlikon bietet fast alles, was man braucht.

Sehr irritierend und unlogisch ist allerdings, wie die Stadt die Parkplatzsituation in den Griff bekommen möchte: Sie regelt die Anzahl Fahrten und nicht die Anzahl Parkplätze. Daniel Gerber, stellvertretender Leiter der Umweltschutzfachstelle UGZ dazu: “Für uns ist die Gesamt-Umweltbelastung massgebend. Und diese kann mit dem Fahrtenmodell gut begrenzt werden.” (Quelle: Zürich Nord Quartierzeitung vom 1.12.11). Dass die Rechnung so nicht aufgeht, wird dabei einfach ausgeblendet:

Die Behörden fördern damit den (Auto-)Einkaufsverkehr und schränken die Möglichkeiten der Anwohner ein. Denn die Grundbesitzer müssen Fahrtenkontingente, anstelle von einer bestimmten Anzahl Parkplätze, intern zuteilen. Und somit wird geschaut, dass die gut zahlenden Mieter, die Einkaufszentren, genügend Park-, respektive Einfahrtkontingente erhalten. Konkret heisst das, dass Anwohner für stolze monatliche Fr. 320.- einen Parkplatz in einem gross-Parkhaus mieten können, dann aber pro Woche nur 9 mal ein und ausfahren dürfen. Hat man die 9 Ein- und Ausfahrten erreicht, bleibt die Barriere unten. Die Anwohner werden also in ihrer automobilen Mobilität ganz konkret eingeschränkt und das bei einem Mietpreis jenseits von gut und böse. Die Einkaufsfahrten aber werden dadurch natürlich gefördert und mehr Einkaufsverkehr wird angezogen.

Das Resultat:

  • Das Ziel, die Schonung der Umwelt, wird nicht erreicht, Einkaufsfahrten der von auswärts anreisenden Kunden nehmen zu und damit die Belastung.
  • Die Anwohner sind verärgert und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
  • Der Markt nutzt die Situation aus, die Mietkosten für Parkplätze und Garagen explodieren (Fr. 320.- für einen offenen Platz in einer grossen Parkplatzhalle mit 9 Ein- und Ausfahrten).
  • Keine blauen Zonen, sie sind mit dem Fahrtenmodell nicht kompatibel, weshalb keine geschaffen werden. Besucher der Anwohner müssen in den ab der 2. Stunde sehr teuren Parkhäuser parkieren.
  • Zudem ist mir bekannt, dass nicht-öffentliche Parkhäuser für Wohnhäuser bei einigen Liegenschaften nicht zugelassen wurden.
  • Weiter wird in Neu-Oerlikon der öffentliche Verkehr nicht gefördert. Die Region Leutschenbach wird nicht zusätzlich erschlossen, der 80er ist der einzige Bus.

Man sieht schnell, dass das Modell nicht funktioniert. Es führt zu mehr Einkaufsverkehr und damit mehr Umweltbelastung, zu höheren Mietkosten, zu einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit für Anwohner und senkt somit die Attraktivität des Standortes Oerlikon als Wohngegend. Hat sich da jemand etwas schlaues ausgedacht? Den Schaden haben Umwelt, Anwohner, Kleinbetriebe und Zürich-Nord.

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