Webstatistiken: Meine Webseite hat mehr Besucher!

Die Aussage im Titel ist meist total unzuverlässig und eine Regel dazu gleich vorweg: Wenn jemand von Besucherzahlen auf einer Webseite berichtet, ja, damit prahlt, dann sollte man gleich erst mal nach der Quelle fragen. Nach dem Motto: Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast…

Drei Quellen, respektive Anwendungen sind sehr verbreitet: AWStats, Webalizer und Google Analytics. Und dabei ist es erstaunlich, dass Webseitenbesitzer oder manchmal gar solche, welche kommerzielle Portale betreiben, einfach die besten Zahlen davon nehmen und als Ihre Besucherzahlen zitieren. Das ist absoluter Nonsense, aber Tagesordnung!

Die drei Anwendungen können grundsätzlich in zwei Kategorien eingeteilt werden:

  • Die ersten beiden, AWStats und Webalizer basieren auf den Log-Dateien des Webservers. Und in diesen Log-Dateien sind sämtliche Zugriffe aus dem Internet auf irgend eine Datei des Webangebotes gezählt. Also jedes mal, wenn Google, Bing, eine andere Suchmaschine oder auch ein Spam-Bot (grast das Internet nach Email-Adressen ab) die Seite analysiert, wird ein Hit, manchmal gar ein Pageview gezählt. Eine weitere Quelle für Zugriffe sind auch RSS-Reader, welche teils häufiger als Stündlich RSS-Feeds von Blogs prüfen, ohne, dass ein Menschliches Auge eine Seite aufgerufen hat. Diese beiden Statistik-Anwendungen versuchen dies mehr oder weniger gut auseinander zu halten, neigen aber darum zu unrealistisch hohen Besucherzahlen. Teilweise können die Zahlen um das Doppelte über der realen Besucherzahl liegen.
  • Google Analytics funktioniert mittels eines kleinen HTML- und Javascript-Codes, welcher in die Webseite eingebaut werden muss. Wird die Seite nun von einem Browser aufgerufen, so sendet dieser einige Informationen zum Analytics Server, welcher damit die Pageviews und Besucher zählt. Darum liegen die Zahlen von Google Analytics vermutlich deutlich genauer bei der Anzahl realer Besucher, als dies für die anderen beiden Anwendungen der Fall ist.
    Nicht berücksicht werden dabei aber all diejenigen Besucher, welche Javascript deaktiviert haben, was heute zum Glück eher selten ist. Auch nicht dabei sind zudem solche, bei denen Analytics auf einem Firewall blockiert wird. Und zu guter Letzt werden natürlich auch Hits durch RSS-Reader nicht gezählt.

Welchen Zahlen soll man nun glauben?

Google Analytics liegt bestimmt deutlich näher bei der Realität und den anderen kann man nur als Quelle trauen, wenn man selber in die Anwendung reinschauen darf, respektive über die Interpretation seitens Website-Besitzer Bescheid weiss.

Nach einem ähnlichen Prinzip wie Analytics funktioniert auch die statistische Erhebung der WEMF, in der Schweiz die meistgenutzte Organisation zur beglaubigten Erhebung von Besucherzahlen (oder Auflagen in Printmedien). Sie verlässt sich ebenfalls auf das Einbinden eines Javascript-Kürzels und allenfalls eines unsichtbaren Bildes.

Etwas weiter schauen sollte man bei Blogs und News-Seiten, deren Inhalte vollständig über RSS-Feeds gelesen werden können. Hier sind auch die Statistiken der RSS-Feeds relevant, wobei es auch hier nicht trivial ist, zwischen technischen Abrufen des Feeds und eigentlich gelesenen Beiträgen zu unterscheiden. Blogger verwenden häufig Feedburner, welches Statistiken hierzu bereit stellt.

Man kann sich also einfach selber täuschen, oder auch seine Kunden, sofern man nicht genauer hinterfragt, oder nachfragt.

Eine weitere Möglichkeit Webseiten miteinander zu vergleichen?

Ein auch nicht über alle Zweifel erhabenes, aber manchmal ganz nützliches Webtool ist Alexa. Über das Eingabefeld Site Lookup auf dieser Alexa-Seite kann man nach Besucherstatistiken von Webseiten suchen. Die Zahlen sind dabei nicht absolut, sondern basieren auf einer Art Rangliste der meist besuchten Webseiten. Erhoben werden die Zahlen über die Alexa Toolbar von den Internet-Nutzern, die diese in Ihrem Browser installiert haben. Vergleichen lassen sich so Webseiten aus dem gleichen Themenbereich, die im gleichen geografischen Gebiet und im gleichen Sprachraum besucht werden. Hat also ein Business-Portal einen Alexa Rank von 2’000’000 und ein anderes einen von 200’000, behauptet aber ersteres viel grössere Besucherzahlen zu haben, so stimmt ziemlich sicher etwas nicht. Respektive die Statistiken wurden wohl unterschiedlich gefälscht;-)

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